Volker Schnurrbusch: „Veranstalter und Messebauer brauchen unsere Hilfe – und individuelle Lösungen“

    Volker Schnurrbusch, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erklärt dazu in seiner Rede:

    „Das Opernhaus Zürich hat gerade mit großem technischem Aufwand dafür gesorgt, dass sein Orchester und sein Chor nicht im Opernhaus, sondern auf einer Probebühne, in der die Corona-Abstände eingehalten werden können, aufspielte, während auf der Hauptbühne die Sänger den Boris Godunow gaben. Das Publikum war begeistert, der Betrieb kann – wenn auch eingeschränkt – weitergehen. Ohne den russischen Ton-meister und seine Kollegen von der Technik wäre dieses Kunststück an Improvisation nicht möglich gewesen.

    Die Hardware stammt übrigens von einem Familienunternehmen aus dem Badischen, die Software für den 3-D-Klang vom Fraunhofer-Institut in Ilmenau. Hier hat also deutsche Ingenieurkunst gewirkt. Doch wie wir wissen, können Übertragungen aus der Distanz niemals das Live-Erlebnis ersetzen.

    Konzerte – egal ob Orchester oder Rock – und Theateraufführungen leben nun Mal von der Nähe, von der kompletten Kommunikation zwischen Künstlern und Publikum. Die Atmosphäre einer Live-Aufführung lässt sich eben nicht durch das Internet kompensieren.

    Musik- und Tanz-veranstaltungen sind in geschlossenen Räumen schon seit Monaten tabu. Die Betreiber von Hallen und Clubs bleiben ohne Einnahmen und können ihre Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen. Auf Demonstrationen hat die Veranstal-tungsbranche in den vergangenen Wochen wiederholt auf ihre wirtschaftliche Notlage hingewiesen.

    Trotzdem ist es notwendig, auch hier eine pragmatische Haltung einzunehmen. Der Staat darf nicht den Eindruck erwecken, sämtliche negativen Folgen der Corona-Krise durch finanzielle Unterstützung ausgleichen zu können.

    Das Ansinnen, landeseinheitliche Festlegungen zur Durchführung von Veranstaltungen zu treffen, halten wir für diskutabel. Gerade die aktuelle Entwicklung zeigt doch, dass es notwendig ist, im Einzelfall individuelle Lösungen zu entwickeln. Dass dies durchaus gelingen kann, zeigte das Galakonzert des Philharmonischen Orchesters Lübeck. Hier wurde den Zuschauern erfolgreich das Gefühl vermittelt, nicht nur einem „Corona-Kompromiss“ beizuwohnen. Und dabei gelang es, Abstands- und Hygienegebote einzuhalten, so dass diese dem Publikum beinahe nicht mehr auffielen. Stattdessen konnte das Publikum den Eindruck gewinnen, Transparente und Trennwände seien zu Teilen der Ausstattung geworden.

    Beispiele wie diese zeigen, dass es mit kreativen Lösungen möglich ist, in der Veranstaltungsbranche aus der Krise herauszukommen und das Publikum erneut anzusprechen.

    Dies alles ändert aber nichts daran, dass eine wirkungsvolle Hilfe für die Veranstal-tungsbranche notwendig ist. Wir begrüßen deshalb die Verlängerung der Corona-Überbrückungshilfen auch für diese besonders hart getroffene Branche, die zugleich mit einer Lockerung der Bedingungen einhergeht. Gerade für Unternehmen, die aufgrund behördlicher Einschränkungen derzeit ihre Geschäftsmodelle nicht oder nur teilweise umsetzen können, ist diese Hilfe weiterhin notwendig. Diesem Anliegen tragen auch die Flexibilisierung der Eintrittsschwelle sowie die Erhöhung der Fördersätze angemessen Rechnung.

    Wie darüber hinaus weitere Hilfestellungen möglich sind, sollten wir gemeinsam im Wirtschaftsausschuss erörtern.

    Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich auf eine Branche hinweisen, die gerne vergessen wird, obwohl sie für die Wirtschaft so wichtig ist: Die Messebauer, die gemeinsam mit den Veranstaltungsunternehmern demonstriert haben. Sie sind es, die unter hohem Zeitdruck, mit großem technischem Geschick und viel Kreativität dafür sorgen, daß Deutschland seit jeher Messeland Nummer eins ist. Auch wenn Schleswig- Holstein nicht mit den großen Messestädten nicht mithalten kann, ist es doch für unsere

    Wirtschaft extrem wichtig, dass sie ihre Produkte einem interessierten Fachpublikum in einem attraktiven Rahmen präsentieren kann.

    Messen sind Motoren für den Umsatz. Hier werden Aufträge geschrieben, hier werden Innovationen geboren, hier werden Geschäftskontakte geknüpft, die sich in oft langjährige Geschäftsbeziehungen verwandeln. Daher ist es für unser Land wichtig, dass wir wieder Fachmessen veranstalten können. Dafür brauchen wir entsprechende Erleich-terungen, die mindestens genauso wichtig sind wie für Konzerte und Theater. Auch darüber sollten wir gemeinsam im Ausschuss sprechen.“

    Weitere Informationen:

    • Antrag der SPD-Fraktion „Alarmstufe rot – Veranstaltungsbranche retten“ (Drucksache.: 19/2382) vom 2. September 2020:

    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/02300/drucksache-19-02382.pdf

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