Dr. Frank Brodehl: „Nicht auf die Hard- und Software kommt es an, sondern auf die Vermittlung von Medienkompetenz“

    In der heutigen Landtagsdebatte zur Digitalisierung der Schulen in Schleswig-Holstein erklärt Dr. Frank Brodehl, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, in seiner Rede:

    „Wenn man die Meldungen der Landesregierung zur IT-Ausstattung und Digitalisierung unserer Schulen verfolgt, dann könnte man meinen, dass wir technisch auf der Höhe der Zeit wären – oder zumindest kurz davor. Aber wie immer gilt: Man kann die Zahlen so oder so interpretieren. 51 Prozent der Schulen verfügen über sehr schnelle Internetanschlüsse. Ja, diese Zahl hat sich gesteigert, aber klar ist eben auch: In fast jeder zweiten Schule bauen sich die Internetseiten nur im Zeitlupentempo auf.

    Zur IT-Ausstattung an unseren Schulen: Ja, ‚nahezu alle Schulen‘ verfügen über unterrichtliche Netzwerke. Hört sich gut an, aber entscheidend ist nicht die Existenz eines Computerraums, sondern die Relation zwischen Schülern und Endgeräten; im Schnitt teilen sich 17 Schüler einen stationären Computer. Bei den wirklich modernen Geräten ist die Relation aber noch viel erschreckender: Rechnerisch teilen sich 60 Schüler einen Laptop und gar 70 Schüler ein Tablet.

    Ich erspare Ihnen weitere bittere Zahlen –  denn wenn rund 80 Prozent aller Schulleiter angeben, dass die Mediennutzung in ihrer Schule nicht zeitgemäß ist, dann spricht das Bände. Und wenn dem Bildungsministerium hierzu lediglich einfällt, dass es ‚positive Trends‘ gäbe, man  aber  mehr  Gelder  aus  dem  Digitalpakt  brauche,  dann  ist   das zu wenig. Denn wir reden ja nicht über einen Bonus oder eine wer weiß was für exklusive Zusatzausstattung, sondern wir sprechen schlicht von zeitgemäßen Lernmitteln und einer zeitgemäßen Infrastruktur.

    Wir haben ja in diesem Hause schon des Öfteren über die Digitalisierung von Schulen gesprochen. Das Thema ist wichtig, aber ich habe immer mehr den Eindruck, dass sich einige unter uns offensichtlich richtig wohl in der Rolle fühlen, wenn sie Eltern das Gefühl vermitteln, dass der Bildungserfolg ihrer Kinder von der PC-Ausstattung der örtlichen Schule abhinge.

    Tatsächlich aber korrespondiert der Grad der Digitalisierung einer Schule überhaupt nicht mit dem Lernerfolg des einzelnen Schülers. Ties Rabe, Bildungssenator in Hamburg, erklärte hierzu, dass durch den Einsatz von Laptops ‚im Vergleich zu anderen Schulklassen keine klaren negativeren, aber auch keine eindeutig positiveren Entwicklungen beim Lernstand der Schüler (…) zu erkennen seien‘.

    Um das mal zu verdeutlichen: Bei einigen Kulturtechniken kann man den Lernerfolg durchaus eindeutig messen. So prägen sich Inhalte, die handschriftlich verarbeitet werden, besser ein, als wenn sie getippt werden. Der Computereinsatz wäre hier also kontraproduktiv.

    Die USA und Australien haben bereits 2007 bzw. 2016 die Konsequenzen gezogen und Laptops im Unterricht abgeschafft. Hier wurden drei Dinge erkannt:

    1. Bildung lässt sich nicht digitalisieren, höchstens die Lerninhalte. Mehr Zeit am Computer bedeutet nicht mehr Lernkompetenz.
    2. Wissensvermittlung und Persönlichkeitsentwicklung geschehen durch engagierte Lehrkräfte, nicht durch Tablets. Wichtiger als der Grad des Einsatzes neuer Medien ist es, dass sich Schüler zu medienkompetenten Persönlichkeiten entwickeln können.
    3. Der richtig dosierte Einsatz digitaler  Medien  ist  entscheidend,  dafür  sind  durch dachte medienpädagogische Konzepte unerlässlich.

    Und hierzu dann doch nochmals eine Zahl des Bildungsministeriums: Bei 80 Prozent  aller vom Bildungsministerium befragten Schulen sei die Medienbildung konzeptionell verankert. Wenn man dann aber genauer hinsieht, kommt heraus, was unter ‚kon-zeptioneller Verankerung von Medienbildung‘ verstanden werden kann: Hierzu zählt zum Beispiel auch schon, wenn das Thema allein im Schulprogramm erwähnt wird – vollkommen unabhängig von Quantität und Qualität der dortigen Ausführungen.

    Zu den 80 Prozent ‚konzeptionelle Verankerung der Medienbildung‘ zählt übrigens auch, wenn eine Schule überhaupt damit begonnen hat, ein Konzept zu erstellen. Und damit liegt der schwarze Peter nicht etwa bei den Lehrern, denn wenn ich tragfähige Konzepte haben will, dann muss ich Lehrkräfte auch dafür freistellen und qualifizieren.

    Lassen Sie uns also hier im Landtag die richtigen Prioritäten setzen. Dass die Glasfaser-, die W-LAN-Versorgung und die IT-Ausstattung bei so vielen unserer Schulen nur schleppend vorankommt, ist beschämend. Zur Finanzierung aber eine Grundgesetz-änderung in Kauf zu nehmen, hat sich ja zunächst einmal erledigt.

    Wir waren im Übrigen die einzige Partei, die sich von Anfang an klar dagegen positioniert hat. Um die Finanzierung zu regeln, sollte nicht das Grundgesetz geändert werden, sondern das Land sollte sich vielmehr dafür stark machen, dass die Aufteilung der Steuern zwischen Bund und Ländern generell neu geregelt wird.

    Viel wichtiger ist es aber jetzt, und dies steht auch in der alleinigen Kompetenz des Landes, die Diskussion über die besten medienpädagogischen Konzepte zu vertiefen. Wir brauchen nicht mehr Schüler hinter immer mehr Bildschirmen, sondern Schüler, die medienkompetent sind. Und um dies zu erreichen, müssen wir den Lehrkräften vor Ort mehr Zeit einräumen und ihnen mehr Ressourcen zur Verfügung stellen, als das bislang der Fall ist.

    Nicht die Hardware, sondern die Lehrkräfte sind also entscheidend. Wenn die Landes-regierung hier die Schwerpunkte setzt, dann wird das unsere Unterstützung haben.“

     

    Weitere Informationen:

    • Antrag der SPD „WLAN an allen Schulen bis 2021“ vom 16. April 2018 (Drucksache 19/671):

    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/00600/drucksache-19-00671.pdf

    • Antrag des SSW „Digitalisierung an allen Schulen voranbringen“ vom 7. November 2018 (Drucksache 19/1052):

    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/01000/drucksache-19-01052.pdf

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