Volker Schnurrbusch: „Meister statt Master – Ausbildungsberufe brauchen höhere Wertschätzung“

    Volker Schnurrbusch

    Jamaika will durch Einführung einer Meistergründungs-prämie Handwerksmeistern finanzielle Anreize für die Gründung selbständiger Meisterbetriebe schaffen. Volker Schnurrbusch, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erklärt in seiner heutigen Rede dazu:

    „Die Wirtschaft Schleswig-Holsteins lebt in besonderer Weise von mittelständischen Unternehmen. Zugleich ist es der Mittelstand, der den Großteil der Ausbildungsplätze stellt, und deshalb sind die zahlreichen Betriebe in Handwerk- und Gewerbe, in der Land-wirtschaft und im Tourismus auf eine konsequente Unterstützung durch die Landes-politik angewiesen.

    Vor diesem Hintergrund war es ein richtiges Signal, dass der Schleswig-Holsteinische Landtag im Oktober des vergangenen Jahres in einem Entschließungsantrag die Landes-regierung dazu aufrief, ein Konzept für eine Meistergründungs-prämie vorzulegen. Auch die AfD-Fraktion hat diesen Antrag seinerzeit als eine begleitende Maßnahme zur Stärkung der mittel-ständischen Wirtschaft in den Bereichen Existenz-gründung und Arbeits-platz-sicherung unterstützt.

    Der Bericht liegt nun vor und wir danken dem Herrn Minister und seinen Mitarbeitern dafür.

    Ziel und Zweck der Meistergründungsprämie, zuallererst einen finanziellen Anreiz für die Gründung eines selbständigen Meisterbetriebs zu bieten, sind unverändert richtig und hochaktuell. Ebenso befürworten wir es, wenn im Rahmen des nun geplanten Zwei-Stufen-Konzepts auch die Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen bezieh-ungsweise sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen gefördert werden soll.

    Sicher: Die im Rahmen der ersten Stufe für die Gründung eines Handwerks-meister-betriebs vorgesehene Basisförderung von 7.500 Euro wird im konkreten Einzelfall kaum dafür ausschlaggebend sein, ob ein solcher Meisterbetrieb gegründet wird. Hier handelt es sich – ebenso wie bei der Förderung auf der zweiten Stufe von 2.500 Euro –gewissermaßen um Bonuszahlungen, mit denen das Land eine Anerkennung für hand-werkliche Meisterbetriebe zum Ausdruck bringt. Aber deshalb ist die geplante Förderung nicht weniger wichtig, sondern stellt eine angemessene politische Geste dar.

    Doch diese Geste ändert nichts an den weiterhin ungünstigen Rahmenbedingungen für Handwerksbetriebe insgesamt.

    Dies belegt leider auch der Bericht der Landesregierung, wenn er feststellt, dass seit der Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 und der damit verbunden Festlegung zahlreicher Handwerksberufe als zulassungsfrei die berufliche Qualifikation der Existenzgründer in diesem Bereich stark zurückgegangen ist.

    Der Anteil der Meistergründungen hat sich allein von 2003 bis 2007 deutschlandweit von 76 Prozent auf 33,5 Prozent reduziert. Gleichzeitig wirkt sich diese abnehmende berufliche Qualifikation auch deshalb negativ aus, weil Handwerksbetriebe ohne Meister oft eine nur geringe Größe aufweisen und weniger ausbilden. Auch die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit dieser Klein- und Kleinstbetriebe ist stark eingeschränkt. Bundes-weit bilden nur 3,7 Prozent der zulassungsfreien Betriebe aus, wogegen diese Quote bei den zulassungspflichtigen Handwerksbetrieben mit 23 Prozent deutlich höher liegt.

    Und wir müssen ebenso berücksichtigen, dass gerade die Handwerksbranche im Ausbildungsbereich unverändert damit zu kämpfen hat, dass die Schülerzahlen sinken und der gesellschaftliche Trend zu Abitur und Studium weiterhin anhält. Wir müssen jedoch dem Akademisierungswahn ein Gegengewicht entgegensetzen. Handwerk hat mehr denn je goldenen Boden: Das Angebot an interessanten Ausbildungsgängen ist so groß wie nie zuvor, die Verdienst-möglichkeiten sind sehr oft besser als nach einem Studium, die Aussicht auf Selbständigkeit eine Chance für selbstbestimmtes Leben im eigenen Betrieb. So wie gestern die Frau Bildungsministerin dazu aufgerufen hat, dem Lehrerberuf wieder mehr Geltung zu verschaffen, rufen wir dazu auf, die Ausbildungs-berufe als genauso wertvoll und attraktiv darzustellen wie ein Studium.

    Gerade in diesen Tagen erreichen uns erneut Meldungen über zu wenig Fachkräfte im Westen Schleswig-Holsteins und über weiter rückläufige Gewerbe-Neugründungen. 14.800 Neu-Anmeldungen stehen 17.100 Abmeldungen gegenüber. Aber an eine solche Tendenz dürfen wir uns nicht gewöhnen.

    Es ist deshalb an der Zeit, den Irrweg des Jahres 2004 grundsätzlich zu korrigieren und die damals erfolgte Einführung zulassungsfreier Handwerksberufe wieder rückgängig zu machen. Hierzu hat die AfD-Bundestagsfraktion bereits im September dieses Jahres einen entsprechenden Antrag eingereicht, der heute morgen im Bundestages beraten und überwiesen wurde. „Meisterpflicht wieder einführen – Handwerk stärken“ – so der Titel. Und auch hier geht es darum, die Attraktivität von Handwerksberufen zu fördern, um den Nachwuchskräftemangel zu beheben.

    Erst wenn diese elementaren Korrekturen vorgenommen worden ist, werden sich die Perspektiven für die Handwerksbetriebe in Deutschland wieder grundsätzlich verbessern. Landespolitische Maßnahmen wie die Meistergründungsprämie können hier eine begleitende Funktion übernehmen. Das strukturelle Problem der Überalterung und der fehlenden Nachfolge wird sie leider nicht lösen. Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen, um das Handwerk weiter zu unterstützen und wertzuschätzen. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten, um den Mittelstand weiter zu stärken.

    Weitere Informationen:

     

    • Bericht der Landesregierung „Einführung einer Meistergründungsprämie in Schleswig-Holstein“ vom 27. November 2018 (Drucksache 19/1978):

    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/01000/drucksache-19-01078.pdf

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