Dr. Frank Brodehl: „Politikunterricht an Schulen darf nicht indoktrinieren – der Beutelsbacher Konsens muss gelebte Praxis bleiben“

    Dr. Frank Brodehl (AfD)

    Die AfD-Fraktion fordert den Landtag auf, sich zu den Grundsätzen des Beutelsbacher Konsenses als Standard für den politischen Unterricht an Schulen in Schleswig-Holstein zu bekennen. Dr. Frank Brodehl, bildungspolitischer Sprecher der Fraktion, führte dazu in seiner Rede aus:

    „Politische Mündigkeit fällt nicht vom Himmel und deshalb ist politische Bildung fester Bestandteil an unseren Schulen. Zielführend ist sie aber nur dann, wenn sie bestimmte Grundsätze beachtet:

    • wenn sie Schüler nicht mit einer bestimmten Meinung überwältigt, sie also nicht indoktriniert
    • wenn sie ein Thema kontrovers behandelt, also Meinung und Gegenmeinung darstellt und
    • wenn sie sich an der Lebenswelt der Schüler orientiert.

    Diese drei Prinzipien sind seit den 70er Jahren im sogenannten Beutelsbacher Konsens festgeschrieben. Allerdings werden sie von einzelnen Pädagogen in letzter Zeit recht großzügig ausgelegt oder gar ganz infrage gestellt. Ein Beispiel dafür ist die Vorführung des Films ‚Wildes Herz‘ im Rahmen der letzten Schulkinowochen: ein Film über die links-radikale Band ‚Feine Sahne Fischfilet‘ und deren Sänger Jan Gorkow.

    Ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis aus den Songtexten:

    ,Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen. Und schicken den Mob dann auf euch rauf. Die Bullenhelme, sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein.‘

    Deutschland verrecke, das wäre wunderbarDeutschland ist Scheiße, Deutschland ist Dreck.

    Die Band selbst erklärt hierzu übrigens, dass das, was sie macht, keine Kunst sei, sondern ein Werkzeug. Das wirft die Frage auf: ein Werkzeug wofür? Vielleicht hilft hier die Bewertung der Deutschen Filmbewertung weiter, die dem Film das Prädikat ‚Besonders wertvoll` verliehen hat; ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis: ‚Wildes Herz reißt seine Zuschauer mit.‘

    Ein Film, der mitreißt, dient nicht dazu, Dinge sachlich darzustellen, sondern er manipuliert; er reißt seine Zuschauer in eine bestimmte Richtung. Der Film (Zitat) ‚neigt zu linker Heldenverehrung‘ – Heldenverehrung hat in der Schule aber nichts verloren. Was junge Menschen gebrauchen können, sind Vorbilder, und keine linke Helden.

    Die Jury hätte sich (Zitat) ‚mehr Distanz gewünscht‘ – genau diese wäre wichtig gewesen, um Schüler nicht zu überwältigen – 1. Grundsatz des Beutelsbacher Konsens. Die Jury hätte sich (Zitat) vermehrt ‚Stimmen der politisch anderen Seite gewünscht‘ – genau, denn das wäre wichtig gewesen, um nicht gegen den 2. Grundsatz des Konsenses zu verstoßen, der Schülern die freie Meinungsäußerung ermöglichen soll.

    Um zu zeigen, dass der Film auch gegen den 3. Grundsatz verstößt – der gebotenen Schülerorientierung – zitiere ich mit Ihrer Erlaubnis aus den Lübecker Nachrichten vom 15.01.: ‚Die Diskussionen im Anschluss an den Film zeigten, dass die Schüler keinen Bezug zur knallharten Realität Anfang der 1990er Jahre haben‘ – eine Bemerkung des Filmregisseurs Charly Hübner.

    Summa summarum: Der Film ist nicht besonders wertvoll, sondern besonders linksradikal. Und damit ist er gerade nicht besonders geeignet für Politik-Unterricht an unseren Schulen. Drei klare Verstöße gegen den Beutelsbacher Konsens, dazu menschenverachtende Texte.

    Im Bildungsministerium wird betont, dass die Filmvorführung ja im Kontext einer Vor- und Nachbereitung stünde. Natürlich. Das entspricht der Natur von Unterrichtseinheiten:  vor dem Film wird geredet,  nach  dem Film  wird  geredet.  Aber der Wirkung von Bild und Ton, von der Musik und der erzeugten Gruppendynamik können sich gerade jugendliche Betrachter emotional kaum entziehen. Und die Schüler, die es vielleicht noch können, werden angesichts des bewusst forcierten Gruppendrucks wohl lieber schweigen.

    Meine Damen und Herren, politische Bildung soll dazu führen, dass sich Schüler über gesellschaftliche Fragen ein unabhängiges Urteil bilden können und wissen, wo und wie sich selbst politisch beteiligen können. Wenn das Beispiel des Filmes ‚Wildes Herz‘  Schule macht, dann verkommt politische Bildung zum Gegenteil: zu Agitation und zu Manipulation mit der Folge, dass sie Anpassungsbereitschaft und Schweigen befördert.

    Meinungsfreiheit lebt aber nun einmal von Meinungsvielfalt – und die sollten wir nicht fahrlässig in Gefahr bringen, in der Schule schon gar nicht.

    Der Beutelsbacher Konsens setzt genau hier an und vom Landtag sollte deshalb heute ein eindeutiges Signal dafür ausgehen, dass dieser Konsens ein notwendiger und unverzichtbarer Kompass in unseren Schulen bleibt. Ich bitte Sie um ein klares Bekenntnis dazu – und dies in Form der Abstimmung in der Sache.

    Nur wenn wir den Beutelsbacher Konsens ernstnehmen und nicht relativieren, werden politische Diskussion in unseren Schulen fair, sachlich und neutral geführt werden.

    Wer unserem Antrag nicht zustimmen will, der sollte sich fragen, ob er ebenso denken und abstimmen würde, wenn es sich bei ‚Wildes Herz‘ um einen Film über eine rechtsradikale Band gehandelt hätte – ‚distanzlos‘, ‚heldenverehrend‚, ,mitreißend.“

    Weitere Informationen:

    • AfD-Antrag „Politische Diskussion und aktives politisches Handeln in der Schule fördern – fair, sachlich, neutral“ vom 29.11.2018 (Drucksache 19/1109):

    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/01100/drucksache-19-01109.pdf

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