Jörg Nobis: „Unsere Landwirte haben Besseres verdient als linksgrüne Phantastereien“

    Jörg Nobis

    Die Landesregierung will einen „technologieoffenen Einsatz regenerativer Energien“ und die Sektorenkopplung „in allen Bereichen der Land-wirtschaft“ voranbringen. Deshalb hat sie heute im Plenum einen umfangreichen Antrag dazu eingebracht. Jörg Nobis, Vorsitzender der AfD-Fraktion, führt zu diesem in seiner heutigen Rede aus:

    „Nach ausführlichem Studium Ihres Antrags sah ich es schon förmlich vor mir: Den batterieelektrischen Trecker und den wasserstoffbetriebenen Mähdrescher – das ist Ihre Vision, wörtlich: ‚eines technologieoffenen Einsatzes regenerativer Energien in allen Bereichen der Landwirtschaft‘ – fehlt nur noch, dass Sie wie auf der A1-Teststrecke für elektrische LKWs Oberleitungen auf Feldwegen und Äckern installieren!

    Leider sind nicht alle Ihre Visionen so der Zukunft zugewandt: die – ich zitiere – ‚Entwicklung von Verfahren für die Kompostierung und Verarbeitung von unbelasteten, organischen Reststoffen zu verwertbaren Düngemitteln im Sinne einer regionalen Kreislaufwirtschaft‘. Meine Damen und Herren: Was Sie da entwickelt sehen möchten, das gibt es schon längst: Es nennt sich ‚Komposthaufen‘. Und den wollen Sie nun in der Region belassen, das ist löblich, aber sehen Sie sich einmal im Land um: Das ist doch schon gelebte Realität! Die Komposthaufen und Misthaufen unserer Landwirte sind doch selbstverständlich direkt auf dem Hof, wo denn auch sonst!? Haben Sie zu diesem Antrag vorab eigentlich einmal Ihren Fraktionskollegen Rickers befragt? Der müsste es doch besser wissen!

    Und so geht es weiter in Ihrem Antrag: Aquakulturen in Abwärmequellen – also beispielsweise Scampizucht im Kühlwasserausfluss des Gemeinschaftskraftwerks Kiel-Ost.

    Getoppt wird das alles dann nur noch vom Punkt ‚Vertical Farming‘. Landwirtschaft statt in der Fläche und der Sonne entgegen an der Hochhauswand bzw. großflächig übereinandergestapelt.

    Das mag in hochverdichteten Ballungszentren Sinn ergeben, bei uns in Schleswig-Holstein ist das Unfug. Beim sogenannten ‚Vertical Farming‘ sind die Energiekosten je Produktkilogramm bis zu viermal höher als bei der herkömmlichen Produktion auf dem Acker.

    Von den Mengen künstlichen Lichts, die benötigt würden, um vertikale Landwirtschaft jenseits von Schnittlauch und Petersilie zu betreiben, mal ganz zu schweigen.

    Sie wollen Steuergeld in die Hand nehmen, um den schleswig-holsteinischen Ackerbau in Hochhäuser zu verlagern. Subventionierte Hochhaus-Bauernhöfe – das ist so skurril, dass sich eine weitere Diskussion eigentlich verbietet.

    Die Grünen kümmern sich bekanntlich grundsätzlich nicht um die Probleme der ganz normalen Bürger. Grüne Themen sind meistens Luxusthemen, egal, ob klimaneutrale Einkaufstüten oder Gendersternchen oder heute diese zumindest für unser Land reichlich irrelevanten Nischenideen. Grün zu wählen, muss man sich leisten können!

    Und CDU und FDP stimmen in diesen ideologisch verblendeten grünen Weltverbesserer-chor mit ein – das überrascht uns zwar nach eineinhalb Jahren Jamaika-Regierung in Schleswig-Holstein nicht sonderlich, es illustriert aber auf eindrucksvolle Weise den Verlust des programmatischen Kompasses, den ich Ihnen in früheren Jahren noch zugestanden hätte.

    Meine Damen und Herren, nicht alles in diesem Antrag ist falsch. Das meiste ist aber entweder so trivial, dass es keiner Erwähnung bedarf – die Komposthaufen etwa – oder es ist – wie die vertikale Landwirtschaft – so unsinnig für Schleswig-Holstein, dass sogar E-Trecker nicht auf dem Spitzenplatz des Irrsinns aus diesem Antrag landen.

    Wir wollen echte Verbesserungen und echte Lösungen für echte Probleme statt dieser hanebüchenen Phantastereien. Unsere Landwirte haben Besseres verdient!“

    Weitere Informationen:

    • Jamaika-Antrag „Regenerative Energien in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum technologieoffen voranbringen“ vom 8. November 2018 (DS 19/1062):

    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/01000/drucksache-19-01062.pdf

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