Schulen an prekären Standorten bedarfsgerecht fördern – „Sozialfaktor“ bei der Lehrerzuweisung einrichten

    Drucksache: 19/158
    Datum: 07.09.2017

    Der Landtag wolle beschließen:

    Die Landesregierung wird aufgefordert, für Schulen in prekären Einzugsgebieten bzw. Standorten einen „Sozialfaktor“ bei der Lehrerzuweisung einzurichten.
    Hierdurch soll allen Schulen ermöglicht werden, an denen standortbedingt über- durchschnittlich viele Schüler mit erhöhtem pädagogischen Förderbedarfen unter- richtet werden, den Klassenteiler auf maximal 18 Schüler zu reduzieren. Die entsprechenden Ausführungsverordnungen des Schulgesetzes sind anzupassen.
    Der zu erhebende „Sozialfaktor“ soll folgende Aspekte berücksichtigen: (amtlich festgestellter) sonderpädagogischer Förderbedarf, Prävention, Deutschkenntnisse, Migrationshintergrund, Quote der Klassenwiederholungen, Schulabstinenz-Quote, Vorhandensein häuslicher Unterstützung, Quote der Schüler, die staatliche Unterstützungsleistungen beziehen.

    Begründung:

    Das mit der Umgestaltung des schleswig-holsteinischen Schulsystems ab 2006 verbundene Hauptziel ist nicht erreicht worden: Die Konzentration vielfältiger problematischer Herausforderungen, die sich bis dahin vor allem an vielen der ehemaligen Hauptschulen zeigte, hat sich nicht aufgelöst, sondern hat sich lediglich an einzelne Gemeinschaftsschulen verlagert.
    Durch die Möglichkeit der Schulwahlfreiheit, die bildungsaffine Elternhäuser vermehrt nutzen, um ihre Kinder außerhalb der sich neu herauskristallisierenden „Problem- schulen“ anzumelden, ist ein Teufelskreis entstanden. Denn durch den Weggang dieser überwiegend leistungsorientierten Klientel verbleiben an den eigentlich zuständigen Schulen mehr und mehr solche Kinder, die tendenziell aus bildungs- fernen Elternhäusern stammen; dies spiegelt sich u.a. auch in der überdurchschnittlichen hohen Quote der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf wider. Der Verein „Schulen am Wind“, eine Initiative mehrerer Kieler Gemeinschaftsschulleiter, nennt diesbezüglich die Zahl von 20 Prozent (Quelle: www.schulenamwind.de).
    Weiterhin weist der Verein darauf hin, dass „prekäre Quartiere für den relativ größten Anteil an sozial Schwachen, Migranten und Flüchtlingen genutzt werden. Die wohnortnahe Aufnahme weiterer Migranten, Flüchtlinge und DaZ-Kinder verschärft so die Polarisierung des Bildungsniveaus zwischen den Standorten.“ (ebenda)
    Um den aufgezeigten Teufelskreis zu durchbrechen, muss eine rasche Erhebung des „Sozialfaktors“ als Grundlage dafür erfolgen, dass betroffene Schulen in der Konsequenz kleinere Lerngruppen einrichten können.

    Volker Schnurrbusch und Fraktion

     

    Link: http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/00100/drucksache-19-00158.pdf

     

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