Kiel 572.quadratisch.nahDie AfD-Fraktion fordert die Landesregierung auf, an Grundschulen wieder Vorschulklassen einzuführen, um sicher herzustellen, dass wirklich alle Kinder am Beginn ihrer Schullaufbahn schulreif sind. Dr. Frank Brodehl, bildungspolitischer Sprecherder AfD-Fraktion, erklärt dazu in seiner heutigen Rede :

„Gerade zum Schulbeginn sollten die Startchancen für alle Kinder möglichst vergleichbar sein und sie sollten vor allem gut sein. Die AfD-Fraktion beantragt deshalb die Wieder-einführung der Vorschule. Die SPD beantragt zeitgleich die Feststellung der ‚Schuld‘ für die schlecht ausgefallene Matheabschlussarbeit 2018. Der Begriff ‚Schuld‘ ist hier fehl am Platze, der Angriff auf die Bildungsministerin ebenso. Alles andere zu diesem Thema wurde im Ausschuss längst abschließend besprochen.

Der SPD-Antrag zeigt aber auch: Einmal mehr fokussiert man auf den Abschluss der Schullaufbahn. Entscheidend ist aber nicht das Nachbessern am Ende, entscheidend ist der Beginn. Frühzeitig, vor allem beim Übergang von Kindergarten zu Schule, werden die Weichen gestellt. Und hier ist auch der Hebel anzusetzen, wenn wir die Schere zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg endlich ernsthaft verkleinern wollen.

Kinder sind unterschiedlich. Die meisten sind mit sechs Jahren schulreif, manche früher andere erst später. In aller Regel befindet der Amtsarzt bei der Schuleingangs-untersuchung über die Schulreife. Bei gravierenden Lücken können von hier aus entsprechende Therapien oder auch schulbegleitende Maßnahmen eingeleitet werden, etwa eine Integrationshilfe.

Was aber nur in äußerst seltenen Fällen vorkommt, ist, dass von einer Einschulung abgesehen wird. Und dies sogar dann,

  • wenn der Amtsarzt ausdrücklich „nicht schulreif“ konstatiert
  • wenn die Eltern um eine Rückstellung bitten – immerhin kennen sie ihr Kind am besten oder
  • wenn die zuständige Grundschule oder auch ein zurate gezogener Sonder-pädagoge klar davon abrät.

Begründet wird dies meist mit der Möglichkeit der sogenannten Erweiterten Eingangsstufe. Erweiterte Eingangsstufe heißt, dass Kinder die Klassen 1 und 2 in drei Jahren durchlaufen können.

Vielen Kindern ermöglicht dies in der Tat, Entwicklungsdefizite aufzuholen. Für andere trifft das nicht zu, sogar das Gegenteil ist der Fall. Um es zu verdeutlichen, stellen Sie sich bitte Kinder mit starken Sprachauffälligkeiten oder Kinder mit großen Schwierigkeiten im sozio-emotionalen Bereich, vor, also Kinder mit Erziehungs- oder besser gesagt mit Beziehungsstörungen.

Diese Kinder gehen dann wie jedes andere Kind zunächst hochmotiviert zur Schule. Den tatsächlichen Bedürfnissen kann dort aber nicht entsprochen werden. Die Folge: Egal, wie sehr sich der Schüler auch reckt und anstrengt, allenfalls erreicht er ab und zu einmal das Lernziel, im schlimmsten Fall verliert er darüber auch sozial den Anschluss an die Klassengemeinschaft. Damit fallen aber die Grundlagen erfolgreichen Lernens weg und die Probleme werden sich nun potenzieren. Und selbst wenn nun die erste oder die zweite Klasse wiederholt werden kann: solange die Rahmenbedingungen nicht entscheidend geändert werden, wird der Teufelskreis nicht durchbrochen werden können. Die mittel- und langfristigen Folgen können Sie sich vorstellen, einfach hinnehmen dürfen wir sie nicht!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die beschriebene Problematik verschärft sich noch dadurch, dass seit Jahren immer mehr gravierende Defiziten bei der Einschulungs-

untersuchung auffallen. Es besteht also akuter Handlungsbedarf. Das Gebot der Stunde

ist die Wiederaktivierung der Vorschulklassen an Grundschulen – für all diejenigen Kinder, die mit sechs Jahren zwar schulpflichtig, aber eben noch nicht schulreif sind.

Wir könnten dabei wie angedeutet auf unsere eigene bewährte Praxis blicken – die letzte Vorschule wurde hier vor erst 2014 geschlossen. Oder wir können in andere Bundes-länder blicken, die bereits Konsequenzen gezogen haben: Baden-Württemberg oder auch unser Nachbar Hamburg. Hier hat der rot-grüne Senat für alle Kinder eine rechtzeitige, umfangreiche Diagnostik eingeführt, und falls für das Kind notwendig, wird es einer einjährigen Vorschulklasse zugewiesen. Überschaubare Klassengröße, profes-sionelle Förderung und vor allem Geduld und Aufmerksamkeit führen in vielen, vielen Fällen zur Schulreife innerhalb von nur einem Jahr. Und sogar noch mehr: Oft können die Kinder auf diesem Weg vor einer drohenden Behinderung bewahrt werden.

Meine Damen und Herren, welcher Stellenwert allein die Bereiche Sprache und Teamfähigkeit innerhalb des gesamten Bildungsweges zukommen, darüber dürfte kein Zweifel bestehen. Die bisherige Praxis hat sich nicht bewährt und die Zahl schulunreifer Kinder wird nicht kleiner sondern größer. Und wenn Begriffe wie ‚frühkindliche Bildung‘ oder ‚Bildungsgerechtigkeit‘ mit Leben gefüllt werden sollen, dann jetzt! Ich bitte Sie, unseren Antrag in den Bildungsausschuss zur Beratung zu überweisen.

Wir wollen, dass alle fünfeinhalbjährigen Kinder ein einheitliches diagnostisches Einschulungs-verfahren durchlaufen und dass für Kinder, die noch nicht reif für die erste Klasse sind, wieder die Möglichkeit geschaffen wird, in kleinen Lerngruppen ein Vorschuljahr zu durchlaufen.

Ein guter Schulabschluss ist wichtig, entscheidend ist aber ein guter Schulstart.“

Weitere Informationen:

  • AfD-Antrag „Beste Bildungschancen von Beginn an: Vorschulklassen an Grundschulen einrichten“ vom 06.11.2018 (Drucksache 19/1022, neu):

http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/01000/drucksache-19-01022.pdf

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